Robert Metzkes. Menschenbilder
06/04/2014–09/06/2014
Der Berliner Bildhauer Robert Metzkes formt lebensgroße Menschenbilder. Seine überwiegend aus farbig gefasster Terrakotta gearbeiteten Skulpturen vermitteln ein Bild zeitloser Schönheit. Im ehemaligen Bildhaueratelier von Georg Kolbe im Berliner Westend treten sie in einen lebendigen Dialog mit den Werken Georg Kolbes und seiner Zeitgenossen und beleben so die lange Geschichte der figürlichen Bildhauerei. Neben ganzfigurigen Porträts von Gehenden, Sitzenden oder Liegenden werden in der Ausstellung zu Ehren seines 60. Geburtstages eine Reihe von ausdrucksstarken Porträtbüsten gezeigt.
Robert Metzkes wuchs in einer großen Künstlerfamilie auf; sein Vater, der Maler Harald Metzkes, zählt zu den prominentesten Vertretern der sogenannten Berliner Schule, einem realistischen Kunststil, der sich klar vom sozialistischen Realismus der DDR-Kunstpolitik abgrenzte, seine Mutter, Elrid Metzkes ist Textilkünstlerin. Robert Metzkes wurde in den 1970er-Jahren an der Hochschule für Bildende Künste in Dresden ausgebildet. Von Beginn an fühlte er sich einer figürlichen, weitestgehend realistischen Darstellung des Menschen verpflichtet. Diesem Thema blieb er bis heute treu, wenn er auch im künstlerischen Umgang zwischen Wirklichkeitsnähe und Idealisierung immer neue Formulierungen findet. Sein Werk steht in einer Tradition des figürlichen Arbeitens, die in der DDR eine wesentlich größere Rolle spielte als im Westen. Es knüpft aber auch an einen viel weiteren kunstgeschichtlichen Kontext an, der bis in die Antike reicht. Obwohl seine Figuren nah am abgebildeten Modell sind, kann man sie nie mit der Realität verwechseln. Er selbst sagt dazu: „Es geht mir nicht darum, dass irgendetwas abgebildet wird, sondern um die Form, die eine Übersetzerin der Realität ist.“ Am Ende seines skulptural bildenden Prozesses stehen Skulpturen, die sich von den strengen Regeln der Komposition ablösen. Sie fordern eine sinnliche Wahrnehmung des Betrachters, die über das Begreifen mit den Augen hinausgeht.
Als Modelle wählte er sich vorwiegend junge, auf eine klassische Art schöne Frauen, mitunter aber auch junge Männer mit einem fein ausdifferenzierten Körperbau. Sein Lieblingsmodell fand er in ‚Mona‘, mit der er seit dem Jahr 2000 zusammenarbeitet. Ihr Name wurde Titel für eine ganze Reihe von Skulpturen, die ihre charakteristischen, fein modellierten Züge tragen. Der Künstler sah in Monas gesamter Erscheinung eine Möglichkeit, etwas Allgemeines darzustellen, das mehr als das Individuelle des einzelnen Menschen umfasst.
In einer Ausstellung von Robert Metzkes bildhauerischen Werken ist man umgeben von einer großen, aus Erde geschaffenen Familie von jungen Frauen und schönen Männern, von Faunen, Harlekinen und stillen Liegenden. Die Figuren scheinen unmittelbar unserem Kosmos von alltäglichen Begegnungen entronnen und übermitteln doch eine gleichsam überzeitliche Konstante. Die von ihm in ruhigen Zügen dargestellten Menschen sind in einem schwebenden Zustand stiller Kontemplation festgehalten. Die Annäherung birgt eine intime Situation, in welcher sich Betrachter und Kunstwerk auf Augenhöhe gegenüberstehen. Losgelöst von einem erzählerischen Inhalt stehen die Figuren für sich selbst, für eine tief empfundene Menschlichkeit, die in der Stille ihre ganze Kraft entfaltet. Jenseits einer aktuellen bildhauerischen Zeitgeschichte, die sich mit materiellen, spirituellen, narrativen oder politischen Themen auseinandersetzt, arbeitet Robert Metzkes mit großer Beharrlichkeit an seinem Thema der menschlichen Figur. Es ist das Weiterdenken eines Themas, das so alt ist, wie die Menschheitsgeschichte selbst.